Ein Märchen von Frau Gerda Saxler-Schmidt, zu der Ortsbegehung des Bürgermeisters in Miel

Das Märchen von Miel

Es war einmal ein Bürgermeister in einer Gemeinde am Flüsschen Swist, der hieß Eckhard Maack. Der Bürgermeister hatte sehr viele Probleme zu lösen. Das war nicht einfach, weil die Schatzkammer der Gemeinde leer war. Da dachte er sich, man könnte doch etwas Land verkaufen, zum Beispiel den Sportplatz in Miel. Das aber fanden die Mieler überhaupt nicht gut. Sie wollten ihren Sportplatz behalten. Alle waren sauer, die Mieler auf den Bürgermeister und der Bürgermeister auf die Mieler. Da schimpfte er eines Tages: „Wer einen Sumpf trockenlegen will, der fragt auch nicht erst die Frösche, die sich darin tummeln!“

Da waren die Mieler erst recht stinksauer. Sie verteilten Flugblätter, die sie mit lauter Fröschen verzierten. Als der Bürgermeister aber ein ums andere Mal über die ganze Sache geschlafen hatte, tat ihm immer mehr leid, was er gesagt hatte. Und als eine gewisse Zeit ins Land gegangen war, kam er nach Miel und entschuldigte sich bei den Bürgern: „Es tut mir sehr leid. Das war ganz und gar nicht in Ordnung.“

Die Mieler verrieten ihm, dass er seither in Miel den Beinamen „Froschkönig“ trage. Auch an die Wand geklatscht hätten sie ihn gerne. Aber ob dann wie im Märchen ein Prinz aus ihm geworden wäre? Wahrscheinlich nicht, denn dazu hätte der Froschkönig erst von einer Mieler Maid geküsst werden müssen. Dazu kam es zwar nicht, die öffentliche Entschuldigung ihres Bürgermeisters aber nahmen die Mieler gerne an. Und so ist es wie im Märchen: Alle reichen sich die Hand und sind wieder Freunde. Mögen sie vergnügt leben bis an ihr Lebensende.

Rhein-Sieg-Zeitung vom Samstag, 23. Februar 2013, Seite 25

Tags: ,

Beitrag in Miel


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.